Einordnung nach Datenblatt und Ausstattung – für wen sich das Gerät lohnt und für wen nicht.
Für wen dieses Set gemacht ist
Dieses Set ist für den Punkt, an dem Nähen vom gelegentlichen Reparieren zum regelmäßigen Hobby wird. 20 Farben Polyestergarn zu je 100 Metern sind genug, um bei den meisten Stoffen einen passenden Ton zu finden, und gleichzeitig noch überschaubar genug, dass du deinen Bestand kennst. Das ist die Palette, mit der ein Nähzimmer normalerweise arbeitet.
Typisch ist der Käufer, der Kleidung näht statt nur zu flicken: Röcke, Blusen, Kinderkleidung, Taschen, Kissenhüllen. Sobald ein Projekt aus mehreren Stoffen besteht, brauchst du für jeden Stoff den passenden Faden – und dann ist eine Handvoll Grundfarben schnell zu wenig, ohne dass du gleich eine Sammlung mit sechzig Rollen brauchst.
Weniger passend ist das Set, wenn du fast ausschließlich reine Baumwolle vernähst und Wert auf unsichtbare Steppnähte legst. Dann ist Baumwollgarn das richtige Material. Und wenn du in wenigen Farben sehr lange Nähte fährst, zählt Lauflänge mehr als Farbauswahl. Beides steht in der Kategorie Nähzubehör.
Was die Ausstattung im Alltag bedeutet
20 Farben heißt vor allem: mehrere Abstufungen pro Farbfamilie. Das ist der Unterschied, den man am fertigen Stück sieht. Bei einer Naht wählt man idealerweise den Ton, der einen Hauch dunkler ist als der Stoff, weil er optisch zurücktritt; ein zu heller Faden zeichnet jede Stichlinie nach. Diese Wahl hast du erst, wenn mehr als ein Grau und ein Blau in der Box liegen.
Polyester bedeutet ein universell einsetzbares Garn: reißfest, leicht elastisch, praktisch schrumpffrei. Es funktioniert auf Webware genauso wie auf dehnbaren Stoffen, wo die Naht beim Anziehen mitgehen muss. Du musst also nicht für jedes Projekt das Material wechseln.
Je 100 Meter ist das Standardformat der Haushaltsspule – mit einer Einschränkung, die selten mitgerechnet wird: Was auf die Unterfadenspule wandert, fehlt oben. Wer Ober- und Unterfaden aus derselben Spule zieht, hat also spürbar weniger als 100 Meter Naht zur Verfügung. Bei zwanzig Tönen fällt das kaum ins Gewicht, weil sich der Verbrauch über viele Farben verteilt. Und die Reißfestigkeit, mit der Gütermann-Garn beworben wird, hat eine handfeste Konsequenz an der Maschine: gleichmäßige Zwirnung über die ganze Spule bedeutet keine dünnen Stellen, an denen der Oberfaden bei Tempo bricht, und weniger Faserabrieb, der sich sonst als Flusen unter der Stichplatte sammelt.
Wo die Grenzen liegen
Auch 20 Farben sind kein Farbfächer. Bei kräftig gemusterten Stoffen, ungewöhnlichen Tönen oder Deko-Nähten wirst du weiterhin einzeln nachkaufen. Wer den Farbtreffer über alles stellt, ist mit einer Box aus deutlich mehr Rollen besser bedient, auch wenn dort die Lauflänge pro Rolle geringer ausfällt.
Zweitens ist Polyester auf reiner Baumwolle nicht das ideale Material. Der Faden hat einen leichten Schimmer, den man auf matter Baumwolle sieht, und er schrumpft beim Waschen nicht mit dem Stoff mit. Beim Quilten und bei sichtbaren Steppnähten ist das ein echter Nachteil.
Drittens sind 100 Meter pro Spule bei großen Projekten schnell verbraucht. Vorhänge, Bettwäsche oder ein komplett in einer Farbe genähtes Kleidungsstück ziehen Ober- und Unterfaden gleichzeitig – da kann eine Spule leerlaufen, bevor das Teil fertig ist. Wer regelmäßig so arbeitet, sollte auf große Spulen ausweichen. Und viertens ersetzt gutes Garn keine frische Nadel: Fehlstiche, Fadenbruch und schiefes Stichbild kommen deutlich häufiger von der stumpfen Nadel als vom Faden.
Was du dazu brauchst
Was beim Garnkauf regelmäßig untergeht:
- Nadeln im System 130/705 H in mehreren Stärken. Wer zwanzig Töne im Regal hat, wechselt häufiger das Projekt und damit den Stoff – dann sollte die Nadel mitwandern und nicht aus Bequemlichkeit von der letzten Arbeit steckenbleiben.
- Jersey- oder Stretchnadeln für dehnbare Stoffe. Polyestergarn allein reicht dort nicht, die Nadelspitze entscheidet mit über Fehlstiche.
- Genug leere Unterfadenspulen. Bei 20 Farben lohnt sich ein Vorrat, sonst wickelst du bei jedem Farbwechsel eine halbvolle Spule ab.
- Einen Nahttrenner, um Fehlnähte zu öffnen, ohne den Stoff zu beschädigen.
- Eine Nähmaschinenbürste und Nähmaschinenöl, falls deine Maschine geölt werden will – Flusen und Trockenlauf sind die häufigsten Gründe für unruhigen Lauf.
- Eine Aufbewahrung, in der du alle Töne siehst. Zwanzig Farben lose in der Schublade heißt, dass du zwei davon benutzt und den Rest vergisst. Nebeneinander gestellt vergleichst du direkt am Stoff.
Wie du deine Maschine sauber hältst, steht im Ratgeber zum Reinigen und Ölen.
Im Vergleich zu den Alternativen im Sortiment
Die kleinere Variante derselben Marke ist das Gütermann creativ Set mit 10 Spulen Allesnäher: dasselbe Polyestermaterial, dieselben 100 Meter, aber nur die Hälfte der Farben. Das ist die richtige Wahl, wenn die Maschine ein paar Mal im Jahr für Reparaturen herauskommt und dir Grundfarben reichen.
Nähst du überwiegend reine Baumwolle, ist das Gütermann creativ Set mit 20 Spulen Baumwollgarn die materialtechnisch bessere Entsprechung: gleiche Spulenzahl, gleiche Länge, aber ein Faden, der auf Baumwolle nicht glänzt und beim Waschen wie der Stoff arbeitet.
Und wenn dir die Menge wichtiger ist als die Palette, liefert das Blessew Nähgarn-Set mit 24 Spulen à 914 Metern gut das Neunfache pro Farbe. Das ist die Wahl für Vielnäher, die in wenigen Tönen durcharbeiten. Alle drei Ansätze sind in der Bestenliste bestes Nähgarn-Set gegenübergestellt.