Ratgeber · Overlock-Maschinen

Overlock einfädeln: Reihenfolge, Anknüpfen und Fehlersuche

Redaktion Oma Schmidts Masche Aktualisiert am 29.07.2026
Overlock einfädeln: Reihenfolge, Anknüpfen und Fehlersuche

Vier Fäden, zwei Greifer, enge Kanäle: Das Einfädeln ist der Grund, warum manche Overlock monatelang unbenutzt im Schrank steht. Dabei ist die Sache kein Geheimwissen, sondern eine feste Reihenfolge plus zwei Handgriffe, die man kennen muss. Diese Anleitung führt dich durch beides und zeigt, was du tun kannst, wenn danach die Stiche nicht sitzen.

Warum die Reihenfolge entscheidet

Eine Overlock bildet den Stich, indem der untere Greifer seinen Faden nach oben bringt und der obere Greifer ihn dort aufnimmt. Der obere Greiferfaden läuft dabei über den unteren hinweg. Fädelst du in der falschen Reihenfolge ein, liegt der untere Greiferfaden über dem oberen oder verhakt sich in dessen Fadenweg. Die Maschine näht dann entweder gar nicht oder produziert eine Naht, die sich beim ersten Zug auflöst.

Daraus folgt die Regel, die bei fast allen Haushaltsmaschinen gilt: erst unterer Greifer, dann oberer Greifer, dann die Nadeln – und bei zwei Nadeln erst die rechte, dann die linke. Die Nadeln kommen zuletzt, weil ihre Fäden sonst im Weg liegen, wenn du mit der Pinzette in die Greiferkanäle gehst. Steht in deiner Anleitung eine abweichende Folge, gilt die Anleitung.

Overlock einfädeln: Schritt für Schritt

  1. Stecker ziehen oder zumindest den Hauptschalter ausschalten. Du greifst gleich in den Bereich von Nadel und Messer.
  2. Handrad drehen, bis die Markierungen übereinstimmen und die Nadeln oben stehen. Bei vielen Maschinen sitzen die Greiferösen nur in dieser Stellung zugänglich.
  3. Frontklappe und Greiferdeckel öffnen. Der eingedruckte Fadenlaufplan im Deckel ist deine Karte – arbeite daran entlang, nicht aus dem Gedächtnis.
  4. Alle vier Konen auf den Garnrollenhalter setzen und den Fadenführungsstab ganz nach oben ausziehen. Ist er nicht ausgezogen, ändert sich der Fadenzug im Betrieb und die Spannung wandert.
  5. Jeden Faden zuerst durch die obere Führungsleiste und dann sauber zwischen die Spannungsscheiben legen. Zieh dazu leicht am Faden, bis er hörbar einrastet. Diese Stelle ist die häufigste Fehlerquelle überhaupt.
  6. Unteren Greifer einfädeln. Sein Weg ist der längste und läuft meist über zwei bis drei Umlenkungen bis zur Öse an der Greiferspitze. Nutze eine Pinzette, die Kanäle sind eng.
  7. Oberen Greifer einfädeln. Sein Weg ist kürzer und liegt darüber. Achte darauf, den unteren Greiferfaden dabei nicht mitzuziehen.
  8. Rechte Nadel einfädeln, danach die linke. Beide von vorne nach hinten durch das Öhr, wie du es von der Nähmaschine kennst.
  9. Alle Fäden nach hinten unter den Nähfuß legen, jeweils etwa zehn Zentimeter Überstand.
  10. Deckel schließen. Viele Overlocks haben einen Sicherheitsschalter und laufen bei offener Klappe gar nicht an.
  11. Ohne Stoff langsam lostreten, bis eine gleichmäßige Fadenkette entsteht. Erst wenn diese sauber läuft, legst du ein Reststück unter und prüfst die Naht.

Anknüpfen: der Trick beim Garnwechsel

Wenn nur die Farbe wechselt, musst du nicht komplett neu einfädeln. Beim Anknüpfen ziehst du das neue Garn mit dem alten durch die Maschine:

  1. Die Fäden dicht hinter den Garnrollenhaltern abschneiden und die neuen Konen aufsetzen.
  2. Alten und neuen Faden mit einem kleinen, flachen Knoten verbinden. Ein Weberknoten hält und trägt kaum auf.
  3. Alle Fadenspannungen auf null stellen oder die Spannungsscheiben entlasten, damit die Knoten hindurchrutschen.
  4. Am alten Faden vor der Nadel gleichmäßig ziehen, bis der Knoten durch alle Führungen gelaufen ist.
  5. Bei den Greiferfäden lässt du den Knoten ganz durchlaufen. Bei den Nadelfäden schneidest du kurz vor dem Nadelöhr ab und fädelst das letzte Stück von Hand ein – ein Knoten passt nicht durch das Öhr.
  6. Spannungen wieder auf die alten Werte stellen und eine Probenaht am Reststück nähen.

Einfädelsysteme im Vergleich

Wie mühsam der Vorgang ist, hängt stark davon ab, was der Hersteller vorgesehen hat.

SystemWie es funktioniertAufwandZu finden bei
Fadenlaufplan im DeckelGedruckte Skizze, du folgst den LinienHöchster Aufwand, ausreichend bei etwas ÜbungNahezu allen Maschinen als Grundausstattung
Farbcodierte FührungJeder Fadenweg hat eine eigene Farbe von der Kone bis zur ÖseDeutlich schneller, kaum VerwechslungsgefahrVielen Einsteigermodellen, etwa der Brother M343D
Klapp- oder SchwenkgreiferDer untere Greifer lässt sich nach vorn schwenkenBequem, weil du nicht in den Innenraum greifen musstModellen der mittleren Klasse
LufteinfädelungDer Faden wird per Luftstoß durch den Greiferkanal geschossenAm schnellsten, Greifer in SekundenHochpreisigen Maschinen

Für den Einstieg ist die farbcodierte Führung der beste Kompromiss: Sie nimmt den größten Teil der Unsicherheit, ohne dass du in eine höhere Klasse wechseln musst. Welche Modelle das mitbringen, steht in der Übersicht beste Overlock für Anfänger.

Wenn die Naht nach dem Einfädeln nicht stimmt

Bevor du an den Spannungsrädchen drehst, gilt: In neun von zehn Fällen liegt ein Faden falsch. Fädele im Zweifel komplett neu ein, statt die Spannung zu verstellen – sonst hast du hinterher zwei Fehler statt einem.

Was du siehstWahrscheinliche UrsacheWas hilft
Maschine bildet gar keine FadenketteGreiferreihenfolge vertauscht oder ein Faden liegt nicht in der ÖseAlle Fäden herausziehen, in der richtigen Reihenfolge neu einlegen
Regelmäßige FehlsticheNadel stumpf, verbogen, falsch herum oder nicht ganz eingeschobenNadel tauschen, mit der flachen Seite nach hinten bis zum Anschlag einsetzen
Faden reißt immer an derselben StelleFaden hakt in einer Führung oder läuft an einer Grat- oder RostkanteFadenweg abtasten, Führungen von Flusen befreien
Naht wirft Schlaufen an der KanteEin Faden liegt nicht zwischen den SpannungsscheibenDiesen Faden herausnehmen und mit leichtem Zug neu einrasten lassen
Nadelfaden zieht sich beim Dehnen aufNadelfadenspannung zu lockerNur dieses eine Rädchen schrittweise erhöhen
Stiche werden unregelmäßig, Geräusch verändert sichFlusen unter der Stichplatte und in den GreifernInnenraum ausbürsten und nach Anleitung ölen

Fadenspannung richtig einstellen

Bei einer 3- oder 4-Faden-Naht sollen sich die beiden Greiferfäden genau auf der Stoffkante treffen. Der obere Greiferfaden liegt auf der Oberseite, der untere auf der Unterseite, und ihre Verschlingung sitzt exakt am Rand. Verschiebt sich dieser Treffpunkt, hilft eine einfache Faustregel: Der Faden, dessen Spannung zu hoch ist, zieht den anderen auf seine Seite.

  • Verschlingung liegt auf der Oberseite: Der obere Greiferfaden ist zu straff oder der untere zu locker.
  • Verschlingung liegt auf der Unterseite: Der untere Greiferfaden ist zu straff oder der obere zu locker.
  • Nadelfaden bildet Schlaufen auf der Unterseite: Nadelfadenspannung erhöhen.
  • Der Stoff kräuselt sich unter der Naht: Meist zu viel Spannung auf allen Fäden oder ein falsch eingestellter Differentialtransport.

Ändere immer nur ein Rädchen und immer nur um eine kleine Stufe, dann eine neue Probenaht. Notier dir die Grundwerte deiner Maschine, bevor du das erste Mal verstellst – so findest du jederzeit zurück. Die übrigen Grundlagen zur Maschine stehen im Ratgeber Overlock für Einsteiger.

Typische Fehler beim Einfädeln

  • Die Nadeln zuerst einfädeln. Ihre Fäden liegen dann im Weg, und der Stich kann sich nicht bilden.
  • Den Faden neben den Spannungsscheiben vorbeilegen. Sieht richtig aus, erzeugt aber Schlaufen. Zieh nach dem Einlegen kurz am Faden: Er muss spürbar bremsen.
  • Den Fadenführungsstab nicht ausziehen. Der Faden zieht dann ungleichmäßig von der Kone und die Spannung schwankt während des Nähens.
  • An den Spannungsrädchen drehen, bevor der Fadenweg geprüft ist. Damit baust du einen zweiten Fehler auf den ersten.
  • Ohne Pinzette arbeiten. Die Greiferösen sind zu klein für Finger, und mit Gewalt verbiegst du die Greiferspitze.
  • Die fertig eingefädelten Fäden nicht nach hinten unter den Nähfuß legen. Liegen sie nach vorn oder zur Seite, zieht der erste Stich sie wieder aus den Ösen und du fängst von vorn an.
  • Nach dem Einfädeln sofort am guten Stoff loslegen. Ein Reststück kostet eine Minute und erspart eine aufgetrennte Naht, die durch das Messer schon Stoff verloren hat.

Fazit: so wird das Einfädeln Routine

Halte dich an die Reihenfolge unterer Greifer, oberer Greifer, rechte Nadel, linke Nadel, arbeite mit Pinzette und guter Beleuchtung und prüfe jeden Faden auf den Sitz in den Spannungsscheiben. Beim reinen Farbwechsel sparst du dir mit dem Anknüpfen den größten Teil der Arbeit. Wenn du eine Maschine noch vor dir hast und dir das Thema Sorgen macht, nimm ein Modell mit farbcodierter Führung – bei Vielnäherinnen zahlt sich eine Lufteinfädelung aus, für alle anderen ist die Farbcodierung der ehrlichere Kauf. Eine saubere, flusenfreie Maschine hilft dabei übrigens genauso wie die richtige Reihenfolge: Wie das geht, steht im Ratgeber Nähmaschine reinigen und ölen.

Häufige Fragen

In welcher Reihenfolge fädelt man eine Overlock ein?

Zuerst den unteren Greifer, dann den oberen Greifer, danach die rechte und zuletzt die linke Nadel. Die Reihenfolge sorgt dafür, dass sich die Fäden nicht gegenseitig blockieren.

Warum bildet meine Overlock nach dem Einfädeln keine Fadenkette?

Meist ist die Greiferreihenfolge vertauscht oder ein Faden liegt nicht in seiner Öse. Zieh alle Fäden heraus und fädele in der richtigen Reihenfolge neu ein, statt an der Spannung zu drehen.

Was ist Anknüpfen bei der Overlock?

Beim Farbwechsel verbindest du den neuen Faden mit einem kleinen Knoten am alten und ziehst ihn durch die Maschine. Bei den Nadelfäden schneidest du kurz vor dem Öhr ab, weil der Knoten dort nicht hindurchpasst.

Wo liegt die Verschlingung der Greiferfäden richtig?

Genau auf der Stoffkante. Liegt sie oben, ist der obere Greiferfaden zu straff oder der untere zu locker, liegt sie unten, ist es umgekehrt.

Warum läuft meine Overlock nach dem Einfädeln gar nicht an?

Viele Maschinen haben einen Sicherheitsschalter und starten nur bei geschlossener Frontklappe. Das ist kein Defekt, sondern Schutz vor dem laufenden Messer.

Brauche ich eine Pinzette zum Einfädeln?

Ja, praktisch immer. Die Greiferösen sind zu klein für Finger, und wer mit Gewalt arbeitet, verbiegt schnell die empfindliche Greiferspitze.

Wie oft muss ich eine Overlock neu einfädeln?

Nur bei Farbwechsel, Fadenriss oder wenn du auf eine andere Fadenzahl umstellst. Für den reinen Farbwechsel reicht das Anknüpfen der neuen Konen.

Redaktionell kuratiert und aufbereitet aus Herstellerangaben und Datenblättern – keine eigenen Laborprüfungen. Wie wir vergleichen, steht unter Über uns.

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