Einordnung nach Datenblatt und Ausstattung – für wen sich das Gerät lohnt und für wen nicht.
Für wen die Bernette Chicago 7 gemacht ist
Diese Maschine löst eine Frage, vor der du irgendwann stehst, wenn du regelmäßig nähst: Willst du ein zweites Gerät fürs Sticken anschaffen, oder soll eine Maschine beides können? Die Chicago 7 ist die zweite Antwort. Du nähst damit wie mit einer normalen Maschine, und wenn ein Name auf die Kindergartentasche soll, nimmst du den Anschiebetisch ab und setzt das Stickmodul an.
Bemerkbar macht sich das bei genau den Projekten, bei denen du sonst kapitulierst. Initialen auf die Brusttasche eines Hemds, ein Motiv auf den Turnbeutel, Namen auf Handtücher und Sportsachen, damit in der Umkleide nichts verschwindet. Auch beim Quilten spielt sie ihre Rolle, weil du Nähen und Verzieren am selben Platz erledigst, statt Stoff zwischen zwei Geräten hin und her zu tragen. Sinnvoll ist sie vor allem dann, wenn ohnehin eine neue Nähmaschine ansteht und du das Sticken erst einmal ausprobieren willst, ohne dich vorher auf zwei Anschaffungen festzulegen. In der Übersicht der Computernähmaschinen steht sie deshalb als Sonderfall.
Was die Ausstattung im Alltag bedeutet
200 Nähstiche klingen nach einer Zahl fürs Datenblatt, und ein gutes Stück davon ist es auch. Tragend sind Geradstich, Zickzack, Knopfloch und ein elastischer Stich; der Rest ist Zier- und Sonderprogramm, das du an einzelnen Projekten brauchst und dann froh bist, dass es da ist.
Die Stichbreite von maximal 7 mm ist die praktisch wichtigere Angabe. Sie entscheidet, wie breit eine Raupennaht wird, wenn du Applikationen einfasst, und wie viel Stoffkante ein Zickzack beim Versäubern greift. Maschinen mit 5 mm sind hier schlicht schmaler.
Die Stickfläche von maximal 110 x 170 mm beschreibt, was in einem Durchgang entsteht: Namen, Initialen, Schriftzüge, ein Motiv in Brusthöhe. 100 integrierte Stickmotive bedeuten, dass du am ersten Abend loslegen kannst, ohne dich mit Dateiformaten zu beschäftigen.
Der halbautomatische Einfädler führt den Faden ans Öhr heran, den letzten Handgriff machst du selbst. Das ist der Unterschied zu einem vollautomatischen Einfädler und der Grund, warum Einfädeln hier nicht ganz nebenbei passiert.
Wo die Grenzen liegen
Erstens die Stickfläche. 110 x 170 mm sind eine harte Grenze, keine Empfehlung. Ein großflächiges Motiv über den ganzen Rücken bekommst du nur, indem du es teilst und den Stoff zwischendurch neu einspannst. Jedes Umspannen ist eine Fehlerquelle beim Ausrichten, und schief angesetzte Teilmotive rettet man nicht mehr.
Zweitens der Zeitfaktor. Während ein Motiv läuft, ist die Maschine belegt. Sticken heißt warten, Farbwechsel abpassen und den Stoff im Auge behalten. Wer sich das Sticken als schnellen Handgriff zwischendurch vorstellt, plant falsch.
Drittens bleibt es eine Haushaltsmaschine. Jeans stehen zwar in ihrem Aufgabenprofil, aber an den Stellen, an denen mehrere dicke Lagen und eine Quernaht zusammentreffen, kommt jede Haushaltsmaschine an ihr Ende. Leder, Planenstoff und Gurtband gehören nicht dazu.
Was du dazu brauchst und was regelmäßig nachgekauft wird
Beim Sticken kostet nicht die Maschine laufend Geld, sondern das Verbrauchsmaterial. Drei Dinge werden beim Kauf fast immer vergessen:
- Stickvlies. Es liegt beim Sticken unter dem Stoff und hält ihn in Form, während die Nadel tausende Einstiche setzt. Ohne Vlies zieht sich leichter Stoff zusammen und das Motiv verzerrt. Vlies ist der Posten, der wirklich laufend nachgekauft wird.
- Stickgarn in ausreichend Farben. Ein Motiv mit vier Farben braucht vier Garne, und Farbwechsel mitten im Lauf sind der Normalfall, nicht die Ausnahme.
- Nadeln als Verschleißteil. Für den Nähbetrieb ein Universal-Sortiment, für Jeans zusätzlich die Stärken 90 bis 110. Eine stumpfe Nadel erzeugt Fehlstiche und sieht dabei völlig unauffällig aus.
Dazu Stickrahmen in der Größe, die zu deinen Projekten passt. Was beim Einstieg sonst noch sinnvoll ist und was du dir sparen kannst, steht im Ratgeber Stickmaschine für Einsteiger.
Im Vergleich zu den Alternativen im Sortiment
Die ehrlichste Gegenfrage lautet: Willst du wirklich sticken, oder willst du nur Buchstaben? Wenn Namen und Schriftzüge reichen, ist die W6 N 2800 Pro der günstigere Weg. Sie bringt 143 Programme inklusive Alphabet und dieselben 7 mm Stichbreite. Dazu kommen ein versenkbarer Transporteur fürs Freihandnähen und eine Start-Stopp-Taste, die den Fußanlasser überflüssig macht. Sticken kann sie nicht, Beschriften schon.
Noch weiter geht die Veritas Claire mit 197 Stichen inklusive Alphabet und Zahlen sowie acht Nähfüßen; Jeans- und Ledernadel von Schmetz liegen bei. Das ist die Wahl, wenn du beim Nähen bleiben willst und dein Geld lieber in Nähfüße als in ein Stickmodul steckst.
Zur Chicago 7 greifst du dann, wenn das Stickmodul der Grund für den Kauf ist und nicht die Zugabe.