Einordnung nach Datenblatt und Ausstattung – für wen sich das Gerät lohnt und für wen nicht.
Für wen die MEDION SM60 gemacht ist
Diese Maschine ist für den Haushalt gedacht, in dem genäht wird, weil etwas gemacht werden muss, nicht weil Nähen das Hobby ist. Der Hosensaum, der zu lang ist. Die aufgerissene Innentasche. Der Kissenbezug, den es in der gewünschten Farbe nirgends gibt. Das Bettlaken, aus dem eine Tischdecke werden soll. Für diese Projekte brauchst du keine Elektronik, sondern eine Maschine, die stabil geradeaus näht und die du nach drei Monaten Pause wieder bedienen kannst, ohne ein Handbuch zu suchen.
Der zweite Fall ist der Einstieg. Wenn du noch nicht weißt, ob Nähen bei dir bleibt, ist eine schlichte Maschine die vernünftigere Wahl als ein Gerät mit Funktionen, deren Namen du erst noch lernen müsstest. Wo die SM60 im Feld der Anfängermaschinen steht, ordnet die Übersicht beste Nähmaschine für Einsteiger ein.
Was die Ausstattung im Alltag bedeutet
Der Freiarm ist der eigentliche Kaufgrund. Nimmst du das Anschiebeteil ab, bleibt ein schmaler Arm stehen, über den du ein Hosenbein oder einen Ärmel wie über eine Rolle schiebst. Ohne ihn müsstest du eine geschlossene Röhre flach unter den Fuß zwingen und würdest die Rückseite mitfassen. Genau daran scheitern Saumarbeiten an fertiger Kleidung, und genau die machen im Haushalt den größten Teil aus.
Der automatische Einfädler spart dir den Handgriff mit der höchsten Wiederholrate überhaupt. Eingefädelt wird bei jedem Farbwechsel, nach jedem Fadenriss und nach jedem Nadelwechsel. Wer einmal ohne Lesebrille auf ein Nadelöhr gezielt hat, weiß, warum das kein Luxusmerkmal ist.
Die LED-Beleuchtung zielt auf dieselbe Stelle: Das Nadelfeld liegt im Schatten deiner eigenen Hand. LED wird dabei kaum warm, was zählt, wenn deine Finger direkt daneben liegen.
Das integrierte Zubehörfach ist eine Kleinigkeit mit Wirkung, denn Spulen und Nähfüße verschwinden sonst zuverlässig in irgendeiner Schublade.
Wo die Grenzen liegen
Erstens: 60 Stichmuster sind kein Leistungsmerkmal. Die Zahl steht auf dem Karton, weil sie sich gut vergleichen lässt. In der Praxis nähst du Geradstich, Zickzack, einen Stretchstich und ein Knopfloch. Alles darüber ist Zierstich, den die meisten Nutzer nie anwählen. Kaufe die Maschine wegen des Freiarms, nicht wegen der Musterzahl.
Zweitens: Sie speichert nichts und näht keine Buchstaben. Stichfolgen zusammenstellen, Namen sticken oder Einstellungen sichern kannst du mit einer mechanisch bedienten Maschine nicht. Wenn du Beschriftungen willst, brauchst du eine Computermaschine, und dann bist du in einer anderen Klasse.
Drittens: Dicke Materialien sind nicht ihr Gebiet. Eine Maschine dieser Klasse kürzt einen Jeanssaum mit der passenden Nadel, aber an der Stelle, wo mehrere dicke Lagen und eine Quernaht zusammenkommen, wird es eng. Leder, Planenstoff oder Gurtband gehören nicht dazu, und keine Nadel der Welt ändert daran etwas.
Was du dazu brauchst
Der häufigste Grund für Frust an einer günstigen Maschine ist nicht die Maschine, sondern das, was daneben fehlt:
- Ein kleines Nadelsortiment. Universalnadeln im System 130/705 H in mittleren Stärken decken ab, was im Haushalt anfällt; für einen Jeanssaum legst du eine kräftigere dazu, für Jersey eine mit runder Spitze. Eine stumpfe Nadel sieht dabei völlig unbeschädigt aus und macht trotzdem Fehlstiche, die viele für einen Maschinendefekt halten. Was zu welchem Material passt, sortiert der Ratgeber Nähmaschinennadeln nach Stoffart.
- Zusätzliche Nähfüße, je nach Vorhaben. Im Zubehörfach liegt griffbereit, was mitgeliefert wird. Sobald aber ein Reißverschluss ansteht oder ein Saum unsichtbar bleiben soll, kaufst du den passenden Fuß dazu, und der muss zur Aufnahme deiner Maschine passen. Genau diese Nachkäufe sind der Punkt, an dem sich eine besser bestückte Maschine irgendwann rechnet.
- Leerspulen und eine Stoffschere. Spulen sind keine beliebige Universalware, sie müssen zum Greifersystem passen. Und die Schere schneidet ausschließlich Stoff; Papier stumpft sie in einem einzigen Durchgang.
Dazu ein Allesnäher aus Polyester in den Grundfarben und regelmäßiges Entfernen der Flusen unter der Stichplatte, nicht erst dann, wenn die Naht unruhig wird.
Im Vergleich zu den Alternativen im Sortiment
Der direkte Nachbar im selben Haus ist die MEDION SD36. Sie wird digital über eine Anzeige bedient statt über ein Wählrad, bietet Stichlänge bis 4,5 mm und bringt fünf Nähfüße mit, darunter Knopfloch-, Blindstich- und Reißverschlussfuß. Nimm sie, wenn du absehbar mehr machst als Reparaturen und dir die mitgelieferten Füße den ersten Nachkauf sparen sollen. Ob dir der Sprung überhaupt etwas bringt, klärt der Ratgeber Computernähmaschine oder mechanisch.
Nach unten grenzt die Carina Junior mit sechs Stichprogrammen ab: leicht, überschaubar, gedacht für den allerersten Kontakt. Die Brother AZ14 mit 14 Programmen liegt ähnlich. Beide sind noch schlanker, geben dir aber weniger Reserve, wenn aus Reparaturen doch Projekte werden.