Einordnung nach Datenblatt und Ausstattung – für wen sich das Gerät lohnt und für wen nicht.
Für wen dieses Set gemacht ist
Es gibt zwei Sorten von Overlock-Besitzern. Die einen versäubern monatelang dasselbe: weiße Innenkanten, immer gleich, immer unsichtbar. Die anderen nähen mal ein blaues Shirt, dann ein graues Sweatteil, dann etwas in Bordeaux, und stehen jedes Mal vor der Frage, ob das weiße Garn an dieser Kante noch durchgeht. Für den zweiten Fall ist dieses Set gedacht.
Bemerkbar macht sich die Farbauswahl genau da, wo eine Overlocknaht nicht im Verborgenen liegt: an Aufschlägen, an offenen Säumen, an leichten Stoffen, die sich beim Tragen umschlagen, und an Rollsäumen, die als Zierkante gedacht sind. Wenn dort der Faden neben dem Stoffton liegt, sieht man es sofort. Fünf Konen in fünf Farben sind außerdem ein pragmatischer Einstieg: Du legst dich beim ersten Kauf nicht auf eine einzige Farbe fest, sondern probierst aus, was du im Alltag wirklich brauchst. Eingeordnet gegen die anderen Konen findest du das Set in der Übersicht Overlock-Garn auf Konen.
Farben, Lauflänge und Material: wofür das taugt
Fünf Konen in fünf Farben ist die entscheidende Angabe, und sie will richtig gelesen werden. Eine Overlock zieht je nach Naht drei oder vier Fäden gleichzeitig. Eine Farbe pro Kone heißt also: Eine komplette Vier-Faden-Naht in einem einzigen Ton geht mit diesem Set nicht.
In der Praxis mischt man deshalb. Die beiden Nadelfäden bestimmen, was du von außen an der Naht siehst, die Greiferfäden liegen an der Kante. Wer die Nadelfäden in Stoffnähe wählt und die Greifer mit einer neutraleren Farbe fährt, kommt in vielen Fällen zu einem Ergebnis, das im getragenen Zustand niemandem auffällt. Sauberer wird es, wenn alle vier Fäden zusammenpassen.
2.743 m je Kone, das entspricht 3.000 Yard, sind für eine einzelne Farbe eine Menge, die lange hält, weil du sie eben nicht vierfach parallel abziehst.
100 Prozent Polyester spielt bei einem Farbset eine doppelte Rolle. Die Faser nimmt Farbe gleichmäßig an und blutet in der Wäsche nicht in den Nachbarstoff, was bei einer bunten Naht auf hellem Grund der entscheidende Punkt ist. Dass sie zusätzlich nachgiebig genug für Jersey und Sweat ist, kommt dazu.
Wo die Grenzen liegen
Erstens die Rechnung mit den vier Fäden. Fünf Farben klingen großzügig, aber für ein größeres Projekt in einem einzigen Ton brauchst du vier Konen in dieser Farbe. Wer weiß, dass er meterweise dasselbe versäubert, kauft an diesem Set vorbei und fährt mit einem einfarbigen Vorratsset besser.
Zweitens treffen fünf Farben deinen Stoff nur ungefähr. Ein Sortiment ist keine Farbkarte. Bei sichtbaren Nähten und einem Stoff, dessen Ton nicht im Set liegt, hilft nur eine passende Kone einzeln nachzukaufen.
Drittens macht das Datenblatt zwei Angaben nicht. Es nennt weder eine Garnstärke noch ein Schadstoffzertifikat. Für Innennähte an Erwachsenenkleidung ist das unerheblich. Willst du gezielt eine bestimmte Stärke fahren oder Babytextilien nähen, bei denen dir eine Prüfung wichtig ist, greifst du besser zu einem Garn, das beides ausweist.
Was du dazu brauchst
Beim Umstieg auf Konengarn fehlen typischerweise dieselben Kleinteile:
- Eine Pinzette. Ein Farbset bedeutet zwangsläufig mehr Umfädeln als ein einfarbiges Vorratsset, und jedes Umfädeln geht durch dieselben engen Ösen. Was einmal im Monat nur nervt, entscheidet bei jedem zweiten Projekt darüber, ob du die Farbe überhaupt wechselst oder es bleiben lässt.
- Fadennetze. Sie halten die Wicklung zusammen, wenn du eine Kone mitten im Projekt zur Seite legst, weil die nächste Farbe dran ist. Ohne Netz hat sich das Fadenende nach dem dritten Wechsel unter die Wicklung geschoben und du suchst es mit der Nadelspitze.
- Ein Konenständer, falls die Farbe, die gerade in der Overlock läuft, auch als Oberfaden in die Nähmaschine soll. Genau das kommt bei einem Farbset häufiger vor als bei einem weißen Vorratsset, und der Garnrollenstift einer Haushaltsmaschine ist für Konen nicht gemacht.
- Zusätzliche Konen in deiner Hauptfarbe, sobald sich abzeichnet, welchen Ton du am häufigsten brauchst.
Was eine Overlock leistet und wo sie eine Nähmaschine nicht ersetzt, steht im Ratgeber Overlock für Anfänger.
Im Vergleich zu den Alternativen im Sortiment
Das Lialina Overlockgarn mit vier weißen Konen à 2.700 m ist der Gegenentwurf: eine Farbe, dafür in der richtigen Anzahl für eine Vier-Faden-Naht, mit ausgewiesener Stärke 40S/2 und OEKO-TEX-Prüfung. Das ist die Wahl, wenn du hauptsächlich hell versäuberst und Vorrat wichtiger findest als Auswahl.
Für Vielnäher liegt darüber das Ackermann Nähgarn mit vier Konen à 5.000 m in Stärke 120, geprüft nach OEKO-TEX Produktklasse I und damit auch für Babytextilien freigegeben. Es läuft an Nähmaschine, Overlock und Coverlock gleichermaßen.
Zwischen den dreien entscheidet nicht der Umfang, sondern dein Nähverhalten: Wer immer dasselbe versäubert, kauft Menge in einer Farbe. Wer ständig den Stoff wechselt, kauft Auswahl und nimmt in Kauf, dass er für einfarbige Nähte nachlegen muss. Die vernünftigste Kombination ist am Ende beides: ein einfarbiges Vorratsset für den Alltag und ein Farbset wie dieses für die Nähte, die man später sieht.